Wie werde ich erfolgreicher Franchise-Nehmer?

Tipps zur Vorgehensweise:

Mit dem Start in die Selbständigkeit und einem Franchise-Vertrag binden Sie sich für 5 bis 10 Jahre an Ihren Franchise-Geber. Eventuell investieren Sie erhebliche Geldmittel. Es ist daher Ihre wichtigste Aufgabe herauszufinden, ob der Franchise-Geber für seine Gebühren einen entsprechenden Gegenwert bietet und das ausgewählte System auf Ihre Fähigkeiten zugeschnitten ist.

Informationsmaterial prüfen:

Als erstes müssen Sie entscheiden, in welcher Branche Sie ein Franchise-System suchen. Das hängt von Ihrer Qualifikation und vom Bedarf an Ihrem Standort ab. Wenn sie mehrere in Frage kommende Franchise-Geber angeschrieben haben, können Sie die Informationen vergleichen. Da jeder Franchise-Geber seine Idee im besten Licht darstellen will, sollten Sie vor allem bei Aussagen zu Umsatz und Gewinn genau hinsehen.

Haben Sie bereits einen Franchise-Geber in die engere Wahl gezogen, sollten Sie bei anderen, von Ihnen ausgewählten Franchise-Nehmern nachfragen, wie lange es gedauert hat, bis dort schwarze Zahlen geschrieben wurden und ob die Rendite dem entspricht, was versprochen wurde.

Selbstauskunft / Bewerbung:

Ihre Bewerbung bzw. den Selbstauskunftsbogen, der oft der Erstinformation beiliegt, sollten Sie sorgfältig verfassen. Erfolgreiche Franchise-Systeme haben meist eine Reihe von Bewerbern zur Auswahl. Denken Sie also daran, dass auch hier der erste Eindruck entscheiden kann. Achten Sie darauf, dass Sie alle geforderten Angaben haben und Nachweise beilegen. Sorgen Sie für ein professionelles Layout. Machen Sie damit Ihr ernsthaftes Interesse an einer Geschäftsbeziehung glaubhaft.

Einschätzung der Marktschancen:

Verlassen Sie sich nicht allein auf die Marktanalyse Ihres Franchise-Partners. Bilden Sie sich ein eigenes Urteil über die aktuelle Marktlage und die Zukunftsaussichten Ihrer angestrebten Branche. Informieren Sie sich möglichst detailliert bei Fachverbänden, in Branchenzeitschriften. Auch die Industrie- und Handelskammern stellen solche Informationen zur Verfügung.

Persönliche Kontakte:

Im Allgemeinen finden vor Vertragsunterzeichnung mindestens zwei ausführliche Gespräche mit dem Franchise-Geber statt. Eines in der Firmenzentrale und eines bei Ihnen zu Hause, damit sich der Franchise-Geber ein Bild von Ihrem persönlichen Umfeld machen kann. Stellen Sie sich darauf ein, dass Ihr potenzieller Partner sie genau testen wird, um möglichst viele Eindrücke über Ihre Eignung zu erhalten. Vermutlich wird er auch Referenzen über Sie einholen. Eventuell werden Sie auch zu einem Auswahlseminar gebeten. Wenn Sie einen Franchise-Vertrag angeboten bekommen, können Sie auch versuchen, einige Schnuppertage bei einem erfolgreichen Franchise-Nehmer des Systems zu vereinbaren, ein „training-on-the-job“.

Versuchen Sie auf jeden Fall, den Franchise-Berater kennen zu lernen, der sie in den kommenden Jahren betreuen soll. Mit ihm müssen Sie schließlich in Zukunft vertrauensvoll zusammenarbeiten können.

Einblick ins Franchise-Handbuch:

Das Franchise-Handbuch enthält in der Regel alle zum Betrieb notwendigen Informationen, sozusagen die „Betriebsgeheimnisse“. Dass die Franchise-Geber diese Unterlage vor Vertragsunterzeichnung nicht gern aus der Hand geben, ist also verständlich. Trotzdem: Wenn Sie in die engere Auswahl kommen, bitten Sie auf jeden Fall darum, sich das Franchise-Handbuch intensiv ansehen zu dürfen.

Interviews mit anderen Franchise-Nehmern:

Ehe Sie einen Vertrag unterzeichnen, befragen Sie noch einmal detailliert andere Franchise-Nehmer. Seriöse Franchise-Geber werden gegen diesen Check nichts einzuwenden haben und können Ihnen Referenzen nennen. Vereinbaren Sie mit Ihren Gesprächspartnern einen Zeitpunkt für ein detailliertes Telefoninterview. Wenn Sie erkennen, dass das Franchise-Konzept Ihnen nicht liegt oder an Ihrem Standort wenige Chancen hat, sollten sie die Notbremse ziehen und absagen. Ist das System für Sie weiterhin interessant, können Sie einige Partner noch persönlich besuchen, um den Kontakt zu vertiefen und um Fragen zum täglichen Arbeitsablauf zu stellen.

Finanzierung klären:

Erkundigen Sie sich vor Abschluss eines Franchise-Vertrages auch, ob eine Bank (z.B. KfW Mittelstandsbank) das Franchise-System als förderwürdig anerkennt. Damit können Sie in Ihre Finanzplanung die oft sehr attraktiven Konditionen einer öffentlichen Förderung mit aufnehmen.

Vertragsunterzeichnung:

Ein Franchise-Vertrag berührt viele Rechtsgebiete und ist deshalb nicht einfach zu erstellen. Lassen Sie den Ihnen angebotenen Vertrag deshalb von einem Rechtsanwalt prüfen, der sich auf das Thema Franchising spezialisiert hat. Denken Sie bitte daran, sich an qualifizierte Rechtsanwälte zu wenden, die Erfahrung mit Franchising haben.

Sie selbst können vorab folgende Punkte beachten:

  • Hat Sie Ihr Franchise-Geber darüber aufgeklärt, dass Sie den Vertrag innerhalb von zwei Wochen widerrufen können? Falls dies nicht geschehen ist, können Sie den Vertrag bis zu einem Jahr nach Abschluss widerrufen.
  • Ist im Vertrag Ihre rechtliche Stellung als Selbstständiger eindeutig festgeschrieben?
  • Regelt der Vertrag, was nach Vertragsende mit Ihrem Franchise-Betrieb, dem Kundenstamm und ggf. den Waren geschieht? Am Ende der Laufzeit und bei außerordentlicher Kündigung?